BLOG Elias beruehrt

Michel Houellebecq: Vermessenheit als Weltanschauung

Der Schriftsteller Michel Houellebecq spricht in der “Sternstunde der Philosophie” unter anderem darüber, ob Berührung und Sexleben alten, kranken und Behinderten Menschen in der Schweiz staatlich garantiert werden soll.

Read more

Tabugeschichte der Sexualität

Tabugeschichte der Sexualität

Die Geschichte der Sexualität verweist auf eine paradoxe Terminologie. Wer diese verstehen will, muss nicht nur aufmerksam und intuitiv zwischen den Zeilen lesen können. Jemand, der nach einer Erkenntnis auf dem weiten Feld der Sexualität strebt, muss sich ganz der Ambivalenz der Sprache stellen, sich diese aneignen und im Bewusstsein dieser Ambivalenz langsam, äusserst vorsichtig, jedoch beharrlich in der Untersuchung vorankommen. Denn: Die lange, komplexe und widersprüchliche Geschichte der Sexualität entfaltet sich vor dem Hintergrund von Tabus. Sie ist durchdrungen von Verboten, Dogmen, Konditionierungen, Regeln, Normen und Gesetzen, denen die Sexualität selbst sich permanent entzieht. Nichts ist für die Beschreibungen der Sexualität charakteristischer als ihre Doppelgesichtigkeit und die sich daraus ergebende Doppelmoral.

Nichts wird eigennütziger interpretiert, kaum etwas wird mit mehr Angst und Selbstsucht beladen. Heuchelei und Scheinheiligkeit der Menschen sind ständige Begleiter dieser Geschichte. Ihnen folgen schweigend Religion, Kirche, Politkorrektheit und Diskretion. Sie drohen mit der Todesstrafe jedem, der sie, die Sexualität, zu entlarven versucht. Nichtsdestotrotz wird sie permanent einem Verhör unterzogen, bei dem sie über ihre eigenständige Wirklichkeit ausgefragt wird. Die Menschen sind verpflichtet, sich verpflichtet zu fühlen zu beichten, um über ihre Sexualität die ganze Wahrheit offen zu legen. Eine Ausnahme bildet die unsichtbare Hand der Macht. Sie ist dazu prädestiniert zu überwachen, zu disziplinieren und zu bestrafen, jedoch um jeden Preis ihre eigene Wahrheit über die Sexualität geheim zu halten. Die beste Metapher für die Sexualmoral ist des Kaisers neues Kleid. Der nackte Kaiser gilt als ihr unsterbliches Sinnbild. Schwerlich konnte jemand über sie klarer, transparenter und einfacher berichten als Hans Christian Andersen es in seinem Kindermärchen für kluge Erwachsene getan hat – Des Kaisers neue Kleid.

Die Sexualität sucht seit Jahrhunderten nach absoluter Befreiung, wobei ihre gezielte Unterdrückung durch die unsichtbare Macht mindestens als umstritten gilt. Sie wird durchströmt von ethischen und moralischen Diskursen, die man zum grossen Bedauern immer wieder verwechselt. Überhaupt wird sie ständig mit dem Moralischen überladen, wobei eine echte Sexualethik meistens fehlt – und das, obwohl die Sexualität mit der Moral nichts zu tun hat und zugleich eine zutiefst ethische Angelegenheit ist. Die Geschichte der Sexualität kann als Geschichte von Vorurteilen und Irrtümern erzählt werden, deren Tragödie gerade darin besteht, dass die wenigen weisen Stimmen, die im Lauf der Zeit nur ganz selten laut werden, von der Mehrheit entweder nicht gehört oder missverstanden werden. Die Geschichte der Sexualität wird immer wieder als Kampf der Kultur(en) mit der Natur präsentiert, obwohl Sexualität eine völlig natürliche Sache ist, die es ohne Kultur nie geben könnte. Und das ganz abgesehen vom echten, innigsten menschlichen Streben, diese traurige Geschichte mehr als eine Geschichte der Liebe denn als eine des Kampfes zu gestalten.

Es gibt also gute Gründe die Kulturgeschichte der Sexualität als moralisierte Tabugeschichte aufzufassen. Die extreme Doppeldeutigkeit, die im Tabubegriff innewohnt („Tabu“ bedeutet zugleich „heilig“ und „unrein“) ist für das Phänomen der Sexualität ebenfalls eigentümlich und habituell. Das Tabu beschreibt den Sex. Die nackte, weit bekannte, fast schon banale Tatsache, dass unsere Geschlechtsorgane sowohl für das Erlangen grösstmöglicher Lust wie auch für Entleerungen gebraucht werden, spiegelt das Konzept der Ambivalenz der Sexualität nicht weniger deutlich als die Auffassung der Frau im Bewusstsein der meisten Männer als Hure und Heilige zugleich. Dass durch die Vereinigung von Mann und Frau neues Leben entstehen kann, macht die ganze Sache keinesfalls einfacher. Im Gegenteil: Die plötzliche Erscheinung einer dritten Person durch den Akt, der zugleich als heilig und als unrein gilt, macht alles noch viel paradoxer als es ohnehin schon ist.

Man muss also die Vorsicht, die Ordnung, die Konsequenz, aber auch die Sinnlichkeit, die ausgeprägte Intuition, die menschliche Reife und nicht zuletzt ein hohes Einfühlungsvermögen mitbringen, um auf dem Gebiet der Sexualität und der Ethik, um auf dem wackeligen Boden von Tabus und Moral forschen zu können, handelt es sich doch dabei um die ursprünglichsten, ewigen Fragen der menschlichen Natur und der Kultur. Gleichzeitig genügen etwas Nachdenken, Abstraktionsvermögen und Sensibilität für den Topos der Sexualität, um grosse und schreckliche sexuelle Tabus wie etwa Inzest, Analverkehr, Exhibitionismus bloss als sprachliche Konstrukte zu entlarven. Die Einsicht in die Genese dieses Tabus bedarf einerseits eines ausgeprägten Intellekts in Verbindung mit einer grossen emotionalen Intelligenz, ist aber anderseits völlig selbstverständlich. Die angeborene Unschuld, Verspieltheit und Spontanität eines Kindes reichen aus, um das Wesen moralischer Tabus zu verstehen, das in Worte besteht. Genau dieser Entlarvung von Sextabus als Sprachkonstruktionen, die, wie tragisch es auch ist, seit jeher die Kulturgeschichte der Sexualität bestimmen, möchte ich meine Arbeit widmen.

Was an dieser Stelle noch zu erwähnen ist, ist der Hinweis auf den Unterschied zwischen Ethik und Moral, denn dieser Text wurde in einer bewusst amoralischen, jedoch möglichst strengen ethischen Geisteshaltung verfasst. Dabei ist es wichtig festzuhalten, dass die amoralischen Aussagen und Handlungen, im Gegensatz zu den unethischen, niemandem wirklich schaden. Das amoralische Verhalten kennt keine Opfer. Doch nirgendwo ist die Kluft zwischen Moral und Ethik so riesig, wie auf dem Gebiet der Sexualität. Gerade deshalb ist es auf diesem Gebiet so wichtig, zwischen der Moral und der Ethik nüchtern, streng und klar zu differenzieren. Onanie, Oral- und Analsex, Gruppensex, Promiskuität, – die Liste von einvernehmlichen Sexualpraktiken lässt sich unendlich fortsetzen – alles Praktiken, die als amoralisch gelten und zugleich ethisch absolut zulässig sind, da ihre Ausübung niemandem schadet.

Aus diesem Anlass zitiere ich hier den Philosophen und Schriftsteller sowie Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung Michael Schmidt-Salomon:

„Gerade dadurch, dass wir uns vom traditionellen Gut- und- Böse-Moralismus befreien, schaffen wir die Voraussetzungen, um ethisch in angemessener Weise handeln zu können. Denn Moralismus ist nicht die Grundlage der Ethik, er verhindert viel eher, dass wir uns ihren Anforderungen stellen.“

Elias Kirsche © Berlin/Zürich 2012

Read more

Es kommt darauf an, den Körper mit der Seele und die Seele durch den Körper zu heilen.

Berühren und sich berührt fühlen

Warum die Ausbildung als Berührer sich vor allem für Männer lohnt


„Tantra ist ein spiritueller Weg – 

ein Weg der persönlichen Entwicklung, 

der Bewusstseinserweiterung und der Lebenskunst.“ 

– schrieb ich in Berlin im Jahr 2008 als ich mein Tantra-Jahrestraining begann. Ich war erst 26 Jahre alt, studierte Philosophie an der Humboldt Universität in Berlin und konnte nicht ahnen, dass gleich danach eine Ausbildung als Tantra-Masseur folgen wird, und dass ich bald professioneller Berührer werde.

Ich hatte damals andere Beweggründe: Die grosse Neugier, die Gier nach Neuem, aber auch der Wunsch nach mehr Sex und mehr Lust mit meinen „Freundinnen Plus“ zu erleben bewegten mich. Die Erotik, die Sinnlichkeit, die Verführung interessierten mich schon immer. Bereits mit 11 Jahren entdeckte ich zufällig im Bücherschrank meiner Mutter ein Buch über Tao und Tantra namens „Das Tao der Liebe. Unterweisung in altchinesischer Liebeskunst“ von Jolan Chang. Oder war die russische Version von Mantak Chia? Ich weiss es nicht mehr genau… 

Wir schrieben das Jahr 1993. Die sexuelle Revolution, die in Westeuropa bereits Ende 1960er stattgefunden hat, fand in Osteuropa in den frühen 1990er statt. 25 Jahre später und erst nach dem Zerfall der Sowjetunion. Plötzlich wurden viele Bücher über Sex gedruckt, die früher zensiert – nein – sogar verboten! waren: Erotische Romane und Sachliteratur, erotische Kunstbänder, aber auch Kama Sutra und einige Bücher über östliche Liebeskünste, Tao und Tantra. Dass das geheime Studium dieser Bücher während meiner Pubertät mein Leben radikal verändern wird, und dass es ihm eine andere, neue und unerwartete Wendung verschafft – das konnte ich damals noch nicht ahnen. Selbstverständlich nicht.

Es hat sich aber gelohnt – dieses Studium der erotischen Belletristik und der Sachliteratur, sowie auch mein praktisches Studium: Die Tantra- und Tantramassage-Ausbildung, die ich bei Secret of Tantra (Silvio Wirth) in der Nähe von Berlin (ZEGG) absolvierte. 

Wie und warum es sich gelohnt hat? – Darauf möchte ich nun eingehen. 

Spirituelle Aspekte der Berührung als Weg zur echten Lebenskunst

Eine echte, zärtliche, sinnlich-erotische Berührung ist zutiefst spirituell. Sie erweckt das Leben in uns, schenkt uns die Lebensenergie und ist buchstäblich und im höchsten Sinne lebendig. Die Intimität, die Nähe, die Verbindung und die menschliche Begegnung, die dabei entstehen, sind einzigartig und wunderschön. Sie stellen a priori einen Wert dar. Einen ganz konkreten sozialen, persönlichen, physischen und psychischen Wert. Und einen monetären, wirtschaftlichen Wert auch noch. Leider wird der letzte von allen Seiten stark moralisch verurteilt, wobei über die ersten fünf fast nie ein Wort verloren wird. Das ist nicht fair. Das ist schmerzhaft und tragisch. Und das möchte ich ändern. Darum schreibe ich meinen Blog, meine Artikel, meine Bücher. 

Warum die Lust und die erotische Berührung, die aus der Lust resultiert, das Lebendige a Priori ist, habe ich z.B. in meinem Text “Lust” erklärt. Wenn es Dich interessiert, kannst Du darüber mehr bei Platon, Sigmund Freud, Carl Jung und Wilhelm Reich lesen. Ich denke, diese Autoren, Philosophen und Psychologen, haben gezeigt, dass die erotische Lust die pure Quelle der Lebensenergie ist. Es ist auch elementar und braucht eigentlich keinen Beweis: Der Mechanismus der Fortpflanzung, der über die Lust, die Sexualität, funktioniert, ist schon Beweis genug. 

Und wenn Du immer noch daran zweifelst oder skeptisch bist, erinnere Dich doch gleich jetzt an die schöne Berührung Deiner Mutter oder deiner Grossmutter oder Freundin und fühle einfach in Dich hinein. Fühlst Du, wie Dein Herz aufgeht? Wie alles im Brustbereich weiter wird? Wie das Blut in Deinen Adern sich erneuert und schneller fliesst? Wie Dein Kopf klarer wird? Oder vielleicht sogar, wie Du jetzt in Tränen verfällst und zu weinen beginnst? – Das ist es. Die Magie des Berührt-seins.    

Erobern und verführen: Warum ein grosses Einfühlungsvermögen der grösste Gewinn für Dein Sexleben sein kann

Wenn Du ein Mann bist, dann sei doch ehrlich – Du wolltest schon immer ein reiches Sexleben leben können! In der Jugend mehr Lust haben und als ältere Mann eine andere, feinere Qualität der Lust erkennen können. Als heterosexueller Mann wolltest Du höchstwahrscheinlich schöne Frauen verführen oder erobern und mit ihnen mehr, öfter, länger und besser im Bett können. Du wusstest aber nicht so recht, wie es Dir gelingt. Stimmt’s?

Es gibt natürlich viele Verführungsstrategien, sowie diverse Flirt- und Pick-up-Kurse. Das ist eine riesige Industrie. Doch welche von diesen Strategien sind nachhaltig? – Ganz ehrlich: keine! Denn, um mit einer Frau nachhaltig ein erfülltes Sexleben haben zu können, braucht es keinen Pick-Up Kurs. Sondern, es braucht sinnlich-erotische Fähigkeiten, schlicht und einfach ein Können. 

Ich meine nicht nur das Handwerk. Sondern Können auf drei Ebenen: Körper, Geist und Seele. Das beinhaltet:

  1. Die Technik der erotischen Berührung beherrschen können. 
  2. Die Sinnlichkeit und das Einfühlungsvermögen erweitern können. 
  3. Die Offenheit und die Liebe im Herzen fühlen können.

    Deshalb nenne ich meine Berührungsrituale und meine Berührer – Ausbildung eine Kunst. Kunst kommt von „Können”. Doch es meint nicht nur ein Kunsthandwerk, sondern auch die sinnlich-erfahrbare Kunst und die Inspiration.  

Wenn ich heute auf meine Geschichte ehrlich zurückblicke, dann muss ich eingestehen, dass ich mich nie für äusserlich attraktiv hielt. Meine intellektuellen Fähigkeiten wahren in den Schulen und in meinen drei Universitäten überdurchschnittlich. Aber viele Frauen konnte ich trotzdem nicht verführen. Ja, es gibt Frauen, die auf intelligente Männer stehen, einfach weil der Sex bei sehr vielen heutzutage mehr im Kopf als im Körper stattfindet. So einfach ist es dennoch nicht: Der Intellekt alleine stellt keinesfalls eine Sexgarantie dar. Vieles anderes muss noch stimmen: Es erfordert in der Regel viel Zeit, um eine sapio-sexuelle Dame intellektuell zu erobern. Und auch wenn es klappt: Was machst Du dann, wenn ihr im Bett landet? Hilft Dir dein Intellekt bei der Sache? Führt ihr dann ein kompliziertes Gespräch? Oder philosophiert ihr über Gott und die Welt?

Nein, wirklich interessante, schöne, lustvolle, sinnliche Frauen begannen sich für mich zu interessieren erst als ich die Kunst der Berührung gelernt und perfektioniert habe. Als ich mein Einfühlungsvermögen soweit geschärft habe, dass ich die kleinste Vibration wahrnahm. Erst dann hat es endlich richtig funktioniert, denn: viele Frauen wollen berührt werden. Und zwar, nicht nur körperlich, sondern auch im Herzen. Kaum ein Mädchen, wenn es nicht ganz verklemmt ist, wird etwas gegen eine entspannende Rückenmassage einwenden. Aber wenn Du es ganz für Dich gewinnen möchtest, sollst Du mehr bieten. Das heisst: auf allen Ebenen sich offen und einfühlsam sein, auch auf der Herzebene.

Ein häufiges Irrtum besteht darin, dass die Berührung und das Einfühlungsvermögen nicht lernbar sind. Dass es ein angeborenes Talent ist. Das stimmt gar nicht! Jeder Mann kann die Berührung lernen, seine Berührungsqualität verbessern und sein Einfühlungsvermögen erweitern, wenn er denn will. Ich konnte das, und Du kannst das auf jedem Fall auch. Und ich hatte noch keinen Mann und keine Frau in meinen Tantra-Kursen, die danach schlechter oder genauso berühren konnten als vorher, sondern jeder und jede hat sich deutlich verbessert. Somit ist die Schärfung des Einfühlungsvermögens und der Berührungsqualität – der grösste Gewinn für Dein Sexleben. 

Berührung als Berufung. Tantrische Rituale und Tantra-Massage als Geschäft

Man hört in der Tantra-Szene sehr oft, dass männliche Tantra-Masseure kaum Frauen als Gäste haben. Das stimmt: in unserer verklemmten Kultur ist es für Frauen leider-leider verpönt für etwas erotisches zu bezahlen. Dennoch haben einige wenige Tantra-Masseure die wenigen Frauen als Stammkundinnen (meistens ältere). Und die restlichen haben gar keine weibliche Kundinnen. Ausserdem gibt es Masseure, die Männer und einige Paare als Stammgäste haben. Und zugleich viele, die nur wenige männliche Gäste und gar keine Pärchen. Woran liegt das? – Natürlich an der Qualität der Berührung! An der Ausbildung und am Einfühlungsvermögen des Masseurs. Kaum ein Mann kann in Europa alleine durch Tantra-Massagen seinen Lebensunterhalt bestreiten, wenn er keine Männer massiert. Und auch wenn er dafür offen ist, wird er davon nicht reich werden. Aber ein wirklich professioneller und einfühlsamer Masseur kann sein Hobby zur Berufung machen. 

Tatsächlich: die erotische Berührung ist ein sehr schönes Hobby, das schnell und leicht monetisiert werden kann. Es ist ein toller Nebenverdienst, wenn Du es mit viel Begeisterung betriebst, über eine gute Ausbildung verfügst und Dich regelmässig weiterbildest. Abgesehen von allen oben erwähnten Vorteilen – spiritueller Entwicklung und Plus-Punkten im Privatleben – macht es viel Spass und erweitert Dein soziales Netzwerk durch gute und spannende Kontakte. Und wenn die erotische Berührung wirklich Deine Berufung ist, dann kannst Du vielleicht sogar einige Jahre davon leben. 

Ich kann natürlich nur von mir sprechen. Doch mir hat meine Ausbildung als Tantra-Masseur die Türe in die Schweiz, das reichste Land der Welt, eröffnet. Während andere Studenten in Berlin irgendwelche langweilige Jobs ausübten und sich darüber aufregten, betrieb ich zusammen mit meiner damaligen Ehefrau in einer abgelegenen Fabrik in Pankow meine erste Tantra-Schule. 

Und meine ersten Paar Gäste in Zürich empfang ich nach der Trennung in einem 11-Quadrat-Meter grossen Zimmer in einem Studentenwohnheim. Doch es waren schöne und zahlungskräftige Männer, und schon bald dürfte ich in Zürich meine eigene Wohnung mieten. Dann folgten andere Gäste, auch Paare und Frauen, meistens aus der Tantra-Szene. Irgendwann wurde ich dank meinem guten Ruf als Berührer zu einem der teuersten und erfolgreichsten Tantra-Masseuren im deutschsprachigen Raum.

Ich dürfte innerhalb von 8 Jahren in Zürich, Biel, Berlin und in Wien mehr als 1200 tantrische Massagen, Ritualen und Sexualberatungen ausführen. Dabei waren es keine schnelle 30 Minuten-Sessions, sondern vollwertige Berührungsrituale mit Vor- und Nachgesprächen, einer Begrüssung, einer Einstimmungsmeditation und einer ausführlicher Genitalbereichmassage, die mindestens 1.5 bis zu 3-4 Stunden gedauert haben. Hätte ich nicht wieder geheiratet und wolle ich nicht noch Kinder haben, wäre mein Erfolg nachhaltig und noch grösser. Schluss: Es gibt nicht, was es nicht gibt! Der Mann muss es nur wollen, dabei bleiben und es jedes Mal aufs neue versuchen !

Erst dann wird Dein kommerzieller Erfolg bloss eine Nebenerscheinung Deiner beruflichen Entfaltung. Ich würde mich darum sehr freuen, Dich bald in meiner Berührer- und Berührerin- Ausbildung begrüssen zu können und bin gespannt auf unseren gemeinsamen Weg.

© Biel/Bienne 19.1.2020

Read more

Lust

Lust ist der Körper- und Bewusstseinszustand, der das Leben lebenswert macht, oder es wenigstens als lebenswert erscheinen lässt. Genau genommen ist die Lust das a priori Lebendige am Leben, weil alles Lebendige ihren Ursprung in der Lust sucht und findet. Auf dem Hintergrund der Langeweile, gemischt mit der Melancholie, auf dem das alltägliche Leben sich für gewöhnlich abspielt, bildet die Lust den hellsten Fleck der Existenzlandschaft. Sie steht für die Sonne, die wärmt, nährt, wachsen und reifen lässt. Die Sonne, die erhellt und veredelt. Die Lust ist keinesfalls mit Gott zu verwechseln: Gott ist eine unnatürliche Erscheinung, ein menschliches und damit kulturelles Konstrukt, ein Wort, ein Begriff, der alles und nichts meint. Ähnlich steht es mit der Sexualität und sogar mit der Erotik, die auch eine Erfindung der Zivilisation ist, wenn auch höchstwahrscheinlich die schönste. Die Lust hat mit der Erotik aber nur insofern zu tun, dass Erotik, wie alles andere auch, in der Lust erwacht und aus der Lust entsteht.

Die Lust ist unmittelbar und bedingungslos. Tiere haben nicht auf Menschen gewartet, damit diese ihnen die Lust beibringen. Im Unterschied zur Erotik verspüren Tiere ebenfalls Lust. Die Lust ist enger mit dem Begehren als mit der Erotik verwandt. Das Begehren und die Verführung resultieren ebenfalls aus der Lust. Auch wenn diese ersten Grundformen der Lust bilden, ist die Lust trotzdem das Ursprünglichste, das Allererste, das Grundlegendste aller Zustände, die lebendige Wesen empfinden. Wenn es jemals eine adäquate Religion geben könnte, dann wäre es eine, die auf der Lust basiert. Weil diese sowohl Gott als auch den Teufel, sowohl Atman als auch Brahman, sowohl Adam als auch Eva vertreten kann. Die Lust ist allgegenwärtig. Sie ist der perfekte Gottesersatz.

In der Kunst und in der Literatur, genauso wie in der Philosophie, Psychologie, Soziologie und anderen Wissenschaften, die alle als Pseudowissenschaften fungieren, wenn es auf eine Grundlegung der Existenz ankommt, wurde die Lust bisher eher vernachlässigt, und zwar, zu Unrecht. Es gibt Millionen Oden an die Liebe, Tausende Oden an den Sex und nur Wenige an den Eros (Hier denke ich vor allem an Platon, an Bataille und an Arsan). Jedoch kenne ich kaum eine Ode an die Lust, wahrscheinlich weil sie mit ihrer wilden Natur der Kultur – und damit auch der Literatur und der Philosophie – entgangen ist. Die Lust kann grausam und barbarisch sein. Vielleicht gerade darum gab es nur einen grossen Denker (von Sade abgesehen), der die Rolle der Lust in ihrer Tiefe erkannte. Das war Friedrich Nietzsche. Sein Gedicht „Alle Lust will Ewigkeit“ steht exemplarisch für die Tiefgründigkeit der Lust:

O Mensch! Gib acht!

Was spricht die tiefe Mitternacht?

“Ich schlief, ich schlief -,

Aus tiefem Traum bin ich erwacht: –

Die Welt ist tief,

Und tiefer als der Tag gedacht.

Tief ist ihr Weh -,

Lust – tiefer noch als Herzeleid:

Weh spricht: Vergeh!

Doch alle Lust will Ewigkeit -,

– will tiefe, tiefe Ewigkeit!”

Das Wort “tief” kommt hier in elf Zeilen acht Mal vor, was nur darauf hinweisen kann, dass es sich bei der Lust um den tiefgründigsten Körper- und Bewusstseinszustand handelt. Noch tiefer ist vielleicht nur der Tod, aber was können wir überhaupt über den Tod wissen?! Über die Lust dagegen – eine ganze Menge: wenn Freud im Anschluss an Nietzsche seine Kulturtheorie und Theorie der Sublimation entwirft, nennt er sie “Jenseits des Lustprinzips”. Und dass es hauptsächlich um die Verdrängung des Lust-Triebes handelt kann nur mit seiner puritanisch-jüdisch-orthodox-christlich-protestantischer Erziehung, und nicht zuletzt mit der Wiener Ausbildung zu tun haben. Auch wenn Freud der Lust sehr viel Aufmerksamkeit schenkt, schickt er sie schliesslich ins Exil, wo sie, abgesehen von wenigen Ausnahmen, bis ins 21. Jahrhundert eine ärmliche Existenz führt, als Forschungsobjekt für Artisten, die sich mit vulgären, pornographischen Themen befassen. […]

 

Elias Kirsche © Zürich, 2014

Read more

Berühren lernen (Berührungscoaching)

Berühren lernen in Biel (Berührungscoaching)
Berühren lernen in Biel (Berührungscoaching)

Viele Gäste möchten mich verführen, berühren und massieren. Dieses Angebot ist für sie konzipiert.

Das Berührungscoaching ist ein Berührungsritual von Dir zu mir, bei dem Du in der aktiven Rolle lernst, wie Du durch die Berührung Freunde, Lust und Ekstase schenken kannst.

Wie will ein Mensch wie ich berührt werden? Was heisst eine hohe Berührungsqualität und wie entwickelst Du sie? Welche Rolle spielen dabei die Langsamkeit, die Zärtlichkeit, die Achtsamkeit?

Du nimmst Dir Zeit und darfst bei mir diverse sinnliche Streichungen, Griffe, Techniken sowie die tantrische Choreographie ausprobieren. Dabei experimentierst Du mit Freude, Lust und Genuss und entdeckst Schritt für Schritt meine erogene Zonen. Die Wahrnehmung, das Einfühlungsvermögen und das Bewusstsein werden dadurch erweitert.

Dieses Ritual ist keine BerührerIn- oder Massage-Ausbildung, sondern eine Begegnung, bei der Du achtsam geleitet und unterstützt wirst, dein Einfühlungsvermögen und Berührungsqualität zu entdecken, zu entwickeln und zu perfektionieren. Laken, Tücher und Massage werden von mir zur Verfügung gestellt.

 

Read more